Wie baut man einen 24-Monats-Funnel praktisch auf?

97 Prozent der B2B-Leads kaufen nicht beim ersten Kontakt. Das ist keine Schätzung, das ist Realität in nahezu jedem Markt mit komplexen Produkten oder Dienstleistungen. Die meisten Unternehmen wissen das, handeln aber trotzdem so, als ob ein einziges Whitepaper oder ein einzelnes Webinar ausreicht, um einen Abschluss zu erzeugen.

Das Problem liegt nicht im Lead. Es liegt im Zeithorizont.

Warum B2B-Entscheidungen Zeit brauchen

Ein durchschnittlicher B2B-Kaufentscheidungsprozess dauert zwischen neun und zwölf Monaten. Bei größeren Investitionen oder mehreren Entscheidungsträgern verlängert sich das. Wer in diesem Zeitraum nicht präsent ist, existiert schlicht nicht mehr, wenn die finale Entscheidung fällt.

Die meisten Marketing-Ansätze bauen auf kurzfristige Sichtbarkeit. Eine Kampagne läuft, Leads kommen rein, der Vertrieb übernimmt und nach vier Wochen ist das Thema erledigt. Was mit den Leads passiert, die sich noch nicht entschieden haben, bleibt offen.

Genau hier entsteht der Verlust. Nicht im Funnel, sondern nach dem Funnel.

Was ein 24-Monats-Funnel konkret bedeutet

Die Idee ist direkt: Ein Lead, der heute Interesse an einem bestimmten Thema zeigt, erhält über die nächsten 24 Monate regelmäßig relevante Inhalte zu genau diesem Thema. Keine generischen Newsletter. Keine Produktwerbung. Inhalte, die seinen Informationsbedarf treffen.

Das können Fachartikel sein, Marktüberblicke, Whitepaper zu spezifischen Fragestellungen oder Branchenvergleiche. Der Rhythmus ist entscheidend. Nicht täglich, nicht sporadisch. Planbar, konsistent, thematisch kohärent.

Das Ziel in dieser Phase ist nicht der Abschluss. Das Ziel ist, im Relevant Set zu bleiben.

Wenn der Lead nach acht oder vierzehn Monaten intern das Budget freigibt und anfängt, konkrete Anbieter zu vergleichen, soll ein Name sofort fallen. Dieser Name soll das eigene Unternehmen sein.

Der parallele Sales-Funnel: Wann der Vertrieb übernimmt

Ein 24-Monats-Funnel läuft nicht isoliert. Parallel dazu existiert ein Sales-Funnel, der gezielt aktiviert wird, sobald ein Lead messbare Kaufsignale zeigt.

Was sind Kaufsignale? Klicks auf Preisseiten, Downloads von Produktvergleichen, wiederholte Besuche bestimmter Unterseiten oder das Öffnen mehrerer aufeinanderfolgender Mails innerhalb kurzer Zeit. Jeder dieser Touchpoints erhöht den Lead-Score. Ab einem definierten Schwellenwert wechselt der Lead automatisch in eine andere Strecke.

Ab diesem Punkt erhalten diese Kontakte gezieltere Inhalte: konkrete Angebote, Fallstudien mit Zahlen, direkte Einladungen zu Demos oder Beratungsgesprächen. Der Vertrieb wird informiert und nimmt Kontakt auf, wenn der Boden bereits bereitet ist.

Das ist der Unterschied zu einem Kaltanruf. Der Lead kennt das Unternehmen. Er hat über Monate Vertrauen aufgebaut. Das Gespräch beginnt nicht bei null.

Wie der Aufbau in der Praxis aussieht

Am Anfang steht die thematische Ausrichtung. Für welches Thema oder welches Produkt soll der Funnel aufgebaut werden? Daraus ergibt sich der Content-Plan für 24 Monate.

Ein Beispiel in Zahlen: Zwölf Fachartikel pro Jahr, vier Whitepaper, zwei Marktüberblicke, dazu ein monatlicher Newsletter mit kuratierten Inhalten. Das ergibt gut 30 Touchpoints pro Jahr. Über zwei Jahre sind das mehr als 60 Kontaktpunkte, bei denen das eigene Unternehmen als relevante Quelle erscheint.

Der technische Unterbau ist eine Marketing-Automation-Plattform, die Touchpoints trackt, Lead-Scores berechnet und den Wechsel in den Sales-Funnel automatisch auslöst. Ohne dieses Tracking bleibt der Funnel blind.

Wer diesen Aufbau einmal gemacht hat, kann ihn duplizieren. Für ein weiteres Produkt, ein anderes Segment, einen neuen Markt.

Das eigentliche Problem: intern verkaufen, bevor man extern beginnt

Der größte Widerstand gegen diesen Ansatz kommt selten vom Markt. Er kommt von innen.

Vertriebsteams wollen schnelle Ergebnisse. Marketing muss Quartale rechtfertigen. Ein 24-Monats-Funnel zeigt seine Stärke erst nach Monaten, manchmal erst nach einem Jahr. Das macht es schwer, intern Rückhalt zu organisieren.

Deswegen braucht es ein gemeinsames Verständnis darüber, was dieser Funnel eigentlich leistet. Er ist kein Ersatz für kurzfristige Lead-Generierung. Er ist die Schicht darunter. Der Mechanismus, der dafür sorgt, dass Leads, die heute noch nicht bereit sind, nicht verloren gehen, sondern gehalten werden, bis sie es sind.

Das ist kein theoretisches Konzept. Es ist ein Prozess, der sich aufbauen, messen und verbessern lässt.

Die Frage ist nicht, ob ein solches System funktioniert. Die Frage ist, wie viele Leads das eigene Unternehmen in den letzten 24 Monaten verloren hat, weil nach dem ersten Kontakt nichts mehr passiert ist.

Das ganze Konzept hat Frank auch nochmal in einem Video erklärt

Produktinfo-Video 24 Monate-Funnel

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